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Der ewige Ratschluss der Erlösung

  • Autorenbild: Frank
    Frank
  • 22. März
  • 4 Min. Lesezeit

the Covenant of Redemption


Es gibt Wahrheiten, die einen nicht sofort zu Diskussionen anregen, sondern eher zum stillen Nachdenken bringen.

Der Bund der Erlösung gehört für mich dazu. Besonders da dieser selten in freien Gemeinden angesprochen wird. Er war aber grundlegend für die Reformatoren. Johannes Calvin schreibt in seiner Institutio sehr deutlich: "Der Bund der Erlösung ist ein Bund der Liebe zwischen dem Vater und dem Sohn, wodurch der Sohn aus Liebe verspricht, Mensch zu werden und die Errettung der Auserwählten zu sichern.". Die Rettung des Sünders wird dabei nicht zuerst von unten her betrachtet — also von meinem Erleben, meinem Glaubensweg oder meiner Bekehrung — sondern von oben: aus der ewigen, heiligen und weisen Gemeinschaft des dreieinen Gottes.


Wenn ich an das Evangelium denke, neige ich oft dazu, bei Bethlehem zu beginnen oder bei Golgatha stehenzubleiben. Das ist nicht falsch, aber es ist auch nicht genug. Die reformierte Theologie und speziell die Bundestheologie erinnert mich daran, dass das Werk Christi nicht Gottes spontane Reaktion auf den Sündenfall war.


Das Kreuz war kein Nachtrag zur Geschichte. Der Sohn Gottes kam nicht erst dann als Retter in Betracht, als Adam gefallen war. Vielmehr war die Sendung des Sohnes in Gottes ewigem Ratschluss beschlossen. Jesus spricht davon, dass der Vater ihm Menschen gegeben hat (Johannes 6,37; Johannes 17). Er sagt, dass er gekommen ist, den Willen dessen zu tun, der ihn gesandt hat (Johannes 6,38–40). Petrus bezeugt, dass Christus „zuvor ersehen“ war - vor Grundlegung der Welt (1. Petrus 1,20). Paulus sagt, dass wir in Christus erwählt wurden - vor Grundlegung der Welt (Epheser 1,4). Diese Bibelexte führen nicht in kalte Spekulation über Gottes Willen, sondern in Gottesfurcht.


Denn was ist der Bund der Erlösung im Kern? In wenigen Worten ausgedrückt: Dass der Vater den Sohn sendet, der Sohn Mensch wird und Sühne vor dem Vater erwirkt und der Heilige Geist das vollbrachte Werk Jesu wirksam an den Erwählten anwendet.


Das Westminster Glaubensbekenntnis beschreibt den Herrn Jesus als den von Gott eingesetzten Mittler, genauer gesagt als den Propheten, Priester und König seines Volkes (WCF 8,1). Der Heidelberger Katechismus formuliert es auf seelsorgerliche Weise: Mein einziger Trost ist, dass ich nicht mir selbst gehöre, sondern meinem treuen Heiland Jesus Christus (HK 1).


Hinter diesem Trost steht die Zuverlässigkeit Gottes, der sein Volk erlösen wird.

Diese Rettung ist das Ergebnis des Bundes innerhalb der Dreieinigkeit. Hinter meiner Gewissheit als Nachfolger Jesu steht nicht meine Standfestigkeit oder meine Hingabe, sondern der ewige Ratschluss zwischen dem Vater, dem Sohn und dem Heiligem Geist.


Besonders bewegend ist die Tatsache, dass Jesus nicht widerwillig meiner Rettung entgegen sieht oder überzeugt werden muss. Stattdessen ist er das Zentrum von allem und weitaus mehr als nur der Ausführende in Gottes Plan. Er ist die Freude des Vaters und der geliebte Sohn, der in vollkommener Übereinstimmung mit dem Vater handelt. Der Vater sendet aus Liebe, der Sohn gehorcht aus Liebe, und der Heilige Geist versiegelt aus Liebe. Aus diesem Grund ist das Evangelium nicht nur die gute Nachricht für uns Menschen, sie ist getragen von der Dreieinigkeit. Wenn wir das verstehen, dann sehen wir auch die hohe Wichtigkeit an dieser Lehre festzuhalten.


Wenn Jesus in Johannes 17 betet, höre ich nicht eine zaghafte Stimme, von jemandem der nicht weiß was kommen wird. Ich höre den ewigen Fürsprecher. Ich höre den Sohn Gottes und er bittet nicht unsicher. Er bittet auf der Grundlage seines göttlichen Auftrags. „Vater, ich will …“ (Johannes 17,24) – das ist kein Zögern, sondern die Sprache des Sohnes, der gekommen ist, das zu empfangen, was ihm der Vater verheißen hat.

Meine Hoffnung ist aus diesem Grund nicht: Ich halte mich an Christus fest.

Vielmehr weiß ich: Christus hält mich fest. Wie jeden, den der Vater ihm gegeben hat.

Er weiß, dass sein Werk nicht scheitern wird. Er weiß, dass diejenigen, die ihm gegeben sind, am Ende bei ihm sein werden, „damit sie meine Herrlichkeit sehen“ (Johannes 17,24). Die Erlösung steht also nicht auf dem wankenden Boden menschlicher Entscheidungen, sondern auf dem ewigen Fundament göttlicher Treue.


Betrachtet man diesen Bund, über den so wenig gesprochen wird, wird Jesus als das Lamm Gottes unendlich wertvoll.

Denn wenn meine Rettung im ewigen Ratschluss Gottes gegründet ist, dann beginnt sie nicht bei meiner Suche nach Gott, sondern bei Gottes Liebe zu mir in Christus.


Dann ist mein Heil älter als mein Versagen.

Dann reicht Gottes Gnade weiter zurück als meine Sünde.


Dann darf ich wissen: Bevor ich betete, war Christus schon bereit. Bevor ich glaubte, hatte der Sohn schon sein Ja zum Willen des Vaters gesprochen. Bevor ich ihn kannte, war er als Lamm Gottes vorgesehen (Offenbarung 13,8). Das passt tief zum Gedanken des Bundes der Erlösung: Christus kommt nicht, um einzelne Probleme einer von Sünde geplagten Welt zu lösen; er kommt als der von Ewigkeit her bestimmte Fürsprecher, um ein Volk zu erlösen und Gottes Heilsplan zur Vollendung zu bringen.


Der Kirchenvater Athanasius unterstreicht die Größe dieses göttlichen Handelns, wenn er schreibt, dass Gott den Menschen durch sein Wort geschaffen und mit dem Wort die Menschen rettend aufgesucht hat. Schöpfung und Rettung liegen nah beisammen, da das Wort Gottes zentral beides umsetzt. In beiden ist Christus (das Wort Gottes), der es ausführt (cf. 1. Mose 1; Heb. 1,1-3).


Der Puritaner John Flavel schreibt es ebenfalls sehr kompakt und deutlich: „Der Vater hält an der Erfüllung (der Erlösung) fest; der Sohn verpflichtet sich, sie zu geben.“ (meine Übersetzung aus John Flavel, The Fountain of Life Opened Up, Sermon 3,)

Solche Worte unterstützen uns dabei, die Perspektive an Ostern zu bewahren.

Jesus kam nicht nur, um mein Leben zu verbessern. Er kam, um Tote lebendig zu machen. So führt mich der Bund der Erlösung am Ende nicht in abstrakte Theologie, sondern direkt in die Anbetung.


Der Bund macht Christus größer.

Der Bund macht die Gnade tiefer und den Glauben zentraler.


Denn wenn der Vater den Sohn gesandt hat und der Sohn das Werk vollendet hat, dann ist mein Heil nicht vom Zufall und schon gar nicht von meinem Willen abhängig.

Meine Rettung ruht in dem ewigen Willen Gottes, der in Christus sichtbar geworden ist.


Zur Vertiefung:

Bibelstellen: Johannes 6,37–40; Johannes 17,1–26; Epheser 1,3–10; 1. Petrus 1,18–20; Hebräer 10,5–10.

Glaubensbekenntnis/Katechismen: Heidelberger Katechismus Frage 1; Westminster Glaubensbekenntnis 8,1.


 
 
 

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