Wie vergibt Gott? – Teil 2
- Rebekka

- 13. März
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 14. März
Im ersten Teil ging es hauptsächlich um die Frage danach, ob Gottes Liebe groß genug ist, um mir zu vergeben. Vielleicht ist es für dich aber gar nicht die Frage nach dem „will Gott?“, sondern nach dem „kann Gott?“, die dich beschäftigt. Das ist auch eine häufige Frage in Bezug auf verschiedene Zweifel: Kann Gott bei dem und dem Problem wirklich noch etwas tun? Kann er jemanden heilen, wenn die Krankheit laut Ärzte unweigerlich zum Tode führt? Kann er Leid, Krieg und Trauer verhindern? Und in Bezug auf die Vergebung lauten diese Fragen dann vielleicht ungefähr so: Kann Gott wirklich jedem Menschen vergeben? Kann er wirklich jede Sünde vergeben? Kann er vergessen?
Wir wissen in der Theorie: Gott ist allmächtig! Er wird in der Bibel 58 Mal „der Allmächtige“ genannt. Und wir kennen die Geschichten, in denen er Wunder tut. Dinge, die eigentlich nicht sein können:
Er heilt Todkranke, macht Blinde sehend, Lahme gehend und Taube hörend.
Er stillt den Sturm und geht auf dem Wasser.
Er erweckt Tote zum Leben und steht selbst aus dem Grab wieder auf.
Er kann ALLES und nichts ist ihm zu hoch oder zu schwer, auch wenn wir uns für ein bestimmtes Problem keine Lösung vorstellen könnten.
Aber was ist mit der Sünde? Gott ist doch so heilig und gerecht. Wie kann es gerecht sein, dass er mir einfach vergibt? Auch wenn ich in der Theorie weiß, dass meine Schuld von Jesus getragen wurde und er die Strafe dafür auf sich genommen hat, so bleibt es vielleicht doch ein Rätsel, wie das gerecht sein kann. Würde es nicht seinem Wesen als heiliger, gerechter Gott widersprechen, wenn jemand für die Sünden eines anderen sterben muss? Wie passt das zusammen? Und kann es nicht sein, dass Jesus zwar für unsere Schuld gestorben ist, aber manche Sünden einfach nicht darunter fallen? Einfach weil sie zu groß, zu schlimm sind? Sagt Gott irgendwann: „So, jetzt ist es aber genug. Dafür musst du schon selbst gerade stehen! Da kann ich dir jetzt auch nicht mehr helfen, auch wenn ich dich noch so sehr liebe.“?
Fangen wir mal von vorne an: Was ist eigentlich Sünde und wie ist sie beschaffen? In der Bibel lesen wir, dass durch einen Menschen die Sünde in die Welt kam: Adam (Römer 5,12). Wenn ich diesen Abschnitt in Römer 5,12-21 aber genauer lese, dann fällt mir eine Sache besonders auf: Es wird immer wieder die Sünde des einen (Adam) mit der Gnadengabe des anderen (also Jesus) verglichen und gesagt, dass es sich nicht gleich verhält. Inwiefern? Die Gemeinsamkeit liegt darin, dass durch die Sünde des einen ALLE zu Sündern werden und durch die Gerechtigkeit des Einen ALLE, die zu Ihm gehören, gerechtfertigt werden. Der Unterschied liegt darin, dass die Gnade so viel überströmender, allumfassender und reicher ist als die Sünde. Sie durchdringt alles und bringt völlige Gerechtigkeit.
Ich will mal versuchen, es durch einen Vergleich deutlich zu machen:
Licht und Finsternis
Licht finde ich ein ganz faszinierendes Phänomen. Gott schuf am ersten Tag Licht und Finsternis und trennte beides voneinander. Oder? Lesen wir genau: In 1. Mose 1,2-4 steht, dass die Finsternis vorhanden war und er nur das Licht schuf. Dann trennte er beides voneinander! Das macht auch völlig Sinn, wenn wir uns bewusst machen, was Finsternis eigentlich ist. Es ist die Abwesenheit von Licht. Nicht umgekehrt! Ich kann in einem hellen Raum nicht eine Dunkel-Lampe anschalten und dann ist alles dunkel. In der Nacht geht nicht ein Planet auf, der die Helligkeit vertreibt, sondern die Sonne geht am Morgen auf und vertreibt die Dunkelheit. Und beides kann nicht gemeinsam existieren. Gott trennte das Licht von der Finsternis. Es muss getrennt sein, denn wenn das eine da ist, ist das andere nicht existent. Es schließt sich gegenseitig aus!
Und so ist es mit Gerechtigkeit und Sünde: Sie können nicht gleichzeitig existieren, sie sind getrennt voneinander. Deshalb sind wir getrennt von Gott, weil er heilig und gerecht ist und mit Sünde nicht

zusammen sein kann. Aber Gerechtigkeit vor Gott ist nicht die Abwesenheit von Sünde. Es ist umgekehrt: Sünde ist die Abwesenheit von Gerechtigkeit! Sünde entsteht da, wo Gottes Gerechtigkeit nicht in meinem Leben herrscht. Als Adam und Eva sündigten, missachteten sie Gottes Herrschaft und folgten stattdessen den Aussagen des Teufels. Die Folge war die Trennung von Gott für die Welt. Das hat zwei Dinge als Schlussfolgerung: Zum einen ist die Sünde, das ganze Leid, der Tod und das Böse die Abwesenheit von Gerechtigkeit in der Welt. Zum anderen existiert Gerechtigkeit nicht einfach durch die Abwesenheit von Sünde. Gottes Gerechtigkeit existiert bei Gott unabhängig von allem anderen. Das bedeutet, dass nicht zuerst alle Sünden nacheinander weggeräumt werden müssen, damit Jesu Gerechtigkeit in unser Leben kommen kann. Ebenso wenig könnte ich alle dunklen Sachen aus einem Raum entfernen, damit Licht in dem Raum ist. Nein, das Licht kommt in den Raum und entfernt die Dunkelheit.
Das hat zwei Dinge als Schlussfolgerung: Zum einen ist die Sünde, das ganze Leid, der Tod und das Böse die Abwesenheit von Gottes Gerechtigkeit. Zum anderen existiert Gottes Gerechtigkeit nicht einfach durch die Abwesenheit von Sünde. Gottes Gerechtigkeit existiert bei Gott unabhängig von allem anderen. Das bedeutet, dass nicht zuerst alle Sünden nacheinander weggeräumt werden müssen, damit Gottes Gerechtigkeit in unser Leben kommen kann. Ebenso wenig könnte ich alle dunklen Sachen aus einem Raum entfernen, damit Licht in dem Raum ist. Nein, das Licht kommt in den Raum und entfernt die Dunkelheit.
So ist es mit der Vergebung: Gottes Gnadengabe kommt in unser Leben als ein Geschenk! Und dieses Geschenk ist die Rechtfertigung, durch die wir Leben haben (Römer 5,17+18). Und diese Rechtfertigung bedeutet nichts anderes, als dass Gottes Gerechtigkeit durch Jesus in unser Leben kommt wie das Licht, das den Raum durchflutet. Sie vertreibt alle Sünden, oder anders ausgedrückt: Sie wirft alle Sünden ins tiefste Meer (Micha 7,18-20).
Gottes Gnade wird immer wieder durch Worte beschrieben wie „überströmend“, „überreich“ oder „überschwänglich“ (z.B. 2. Korinther 9,8-15 oder 1. Timotheus 1,14). Wenn Gottes Gnade in mein Leben kommt, dann nicht wie hier und da mal ein Lichtblick. Gott vergibt nicht stückweise eine Sünde nach der anderen, in der Hoffnung, dass irgendwann alle Sünden weg sind und es dann hell werden kann. Gottes Gnade kommt wie ein alles durchflutendes Licht und vertreibt alle Schuld, alle Sünde, alles Böse aus meinem Herzen und aus meinem Leben. Bei Gott gibt es keine halben Sachen. Bei Gott gibt es auch keine Dämmerung!
„Gott aber ist mächtig, jede Gnade gegen euch überströmen zu lassen, damit ihr in allem, allezeit alle Genüge habend überströmend seid zu jedem guten Werk.“ (2. Korinther 9,8)
Aber was ist, wenn ich dann nach meiner Bekehrung noch sündige? Da spielt der Zeitfaktor eine wichtige Rolle: Wie viele meiner Sünden lagen noch in der Zukunft, als Jesus am Kreuz gestorben ist? Alle! Er hat am Kreuz alle meine Sünden getragen, die vergangenen und die zukünftigen. Meine vergangenen Sünden werden ja auch nicht ungeschehen gemacht, wenn ich Jesus annehme. Ich habe sie ja trotzdem begangen, und dennoch vergibt Gott sie mir. Und so ist es auch mit den noch folgenden: Ich werde sie trotzdem begehen. Ich werde es nicht schaffen, nicht zu sündigen. Aber dennoch vergibt Gott sie mir. Gott sieht sie nicht mehr an, weil er in mir nur noch Jesu Gerechtigkeit sieht (2. Korinther 5,17-21)! Alles Ungerechte ist für ihn nicht mehr existent!
Und wie kann es jetzt gerecht sein, dass jemand anderes meine Sünden trägt? Man könnte hier von Ungerechtigkeit sprechen, wenn Gott jemand anderem unsere Strafe auferlegt hätte. Aber das hat er nicht. Er hat sie selbst getragen! Wenn Jesus einfach nur ein Mensch wäre, dann wäre es ungerecht. Aber er ist Gott, und er hat es freiwillig getan (Johannes 10,15) – aus Liebe! Wenn ich jemandem etwas schulde, wäre es natürlich ungerecht, wenn irgendjemand meine Schuld begleichen muss. Aber so ist es nicht. Meine Schuld habe ich ja vor Gott – und er bezahlt diese Schuld selbst. Darin liegt keine Ungerechtigkeit, sondern pure Barmherzigkeit!
„Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.“ (1. Johannes 1,9)





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